Begegnungen mit Migranten

Auszüge aus der Spirimap2:

Neu Anfangen!
Beim Packen waren wir ganz unsicher, was man braucht. Einer meinte, dass die Sachen wichtig sind und ein Anderer, dass das nicht so nötig sein wird und man eher was anderes braucht. Wir hatten großes Glück, weil ein Reiseunternehmen es uns möglich machte sehr viele Taschen mitzunehmen.
Meine Gefühle bei der Abfahrt waren sehr gemischt: Zum einen war ich voller Vorfreude und zum anderem hatte ich Angst und spürte Unsicherheit, denn der Weg führte uns in das Land, das wir bis jetzt nur aus dem Urlaub kannten. Als wir ankamen, wurden wir freundlich empfangen und es war sehr schön hier. Auch vom Staat bekamen wir sehr starke Unterstützung. Zuerst mussten wir eine Woche in Friedland verbringen, wurden von einem Arzt untersucht und unsere Papiere wurden noch einmal durchgeschaut. Dann mussten wir für eine Woche nach Nürnberg, wo unsere Papiere bearbeitet wurden und wir einen Sprachtest ablegten. Meine Eltern haben ihn mit Auszeichnung bestanden, aber ich und meine Geschwister nicht.
Die erste Zeit war sehr schwer, denn es war anders als ich es mir vorgestellt hatte und gar nicht so wie im Urlaub. Die Schule war sehr anstrengend, weil ich nichts verstanden habe und es dauerte eine Weile bis ich anfing etwas zu verstehen. Deshalb musste ich vom Gymnasium runter und auf die Hauptschule gehen. Dort habe ich Glück gehabt, denn ein Junge kümmerte sich um mich und wir brachten uns gegenseitig unsere Sprachen bei.
Bevor wir abreisten habe ich mir von meinem gesparten Geld ein Handy gekauft, die Simkarte habe ich als Speicher für alle Adressen und Telefonnummern meiner Freunde benutzt. Aber als wir nach Deutschland kamen, habe ich eine neue Simkarte von einem deutschen Anbieter in mein Handy gelegt und wollte dann nach einiger Zeit die Adressen von meinen Freunden abschreiben. Aber die alte Simkarte war nicht mehr aufzufinden, was mich sehr traurig machte, weil ich keine Nummern meiner alten Freunde mehr hatte. Mittlerweile habe ich einige von den Kontakten übers Internet wiedergefunden, aber das Verhältnis ist leider nicht mehr so wie früher. Mit manchen ist es schwierig zu reden und manche sind genau so offen wie früher, aber das sind nur wenige! Heute fühle ich mich sehr wohl hier und bereue es auf keinen Fall, dass wir hierher gekommen sind!

O-Ton von Mischa, 21
Wer bin ich?
Wer bin ich? Diese Frage stellt man sich als 7-jähriges Kind eigentlich selten bis gar nicht, man merkt nur, dass man anders ist als seine Mitschüler, denn wenn man mit ihnen reden will, verstehen sie einen nicht. Also greift man auf ein alt bewährtes Mittel zurück: die Körpersprache.
Im Prozess des Älterwerdens, begreift man es langsam...
Der Umzug mit der Familie, der nun einige Jahre zurückliegt, war nicht nur in eine andere Stadt, es war auch ein Umzug in ein anderes, noch fremdes Land. Wie es so schön heißt „Andere Länder, andere Sitten”. Eine der „Sitten” in Deutschland ist es, deutsch zu sprechen... „Deutsche Sprache, schwere Sprache”, man gibt sich Mühe, diese zu lernen.
Und irgendwann, stellt man sie doch, die Frage wer man ist...
Eine mögliche Antwort wäre: Ein Mensch. – Aber, dann würde man es sich leicht machen und die Einflüsse des Milieus nicht berücksichtigen. Eine weitere mögliche Antwort: Eine junge Frau, deren Eltern vor gut 14 Jahren den Schritt des Auswanderns aus ihrem Vaterland und des Einwanderns in Deutschland gewagt haben.
Im Grunde ist man jemand, der zwei Sprachen beherrscht und der hin und wieder wegen seiner Herkunft gehänselt wurde. Dennoch bin ich stolz darauf, ich zu sein, aber vor allem auf meine Eltern, dass sie einst den Mut besaßen diesen Schritt zu wagen. Und immer noch den Mut besitzen immer wieder etwas Neues zu versuchen und einen Ihnen noch unbekannten Weg zu gehen.

O-Ton von Natalie, 21
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Zeit: 05:33:02 19.05.2012